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Es verspricht einer dieser Tage zu werden, geschäftig oder stressig, denn bereits 15 Minuten vor unserer eigentlichen Öffnungszeit, morgens 8h in Kreuzberg, haben sich zwei Kundinnen auf der Eingangsstufe des Cutie Pies niedergelassen und scharren dort unruhig mit den Füßen. Während ich drinnen noch die letzten Brötchen schmiere und daran denken muss, noch die Bänke und Pflänzchen vor dem Café aufzubauen, schauen meine frühen Gäste abwechselnd auf ihre Uhr und rein zu mir, mit einem Blick, in dem ihr Unverständnis ”nicht jetzt einfach zu öffnen” liegt. Schnell noch die letzte Schrippe zugeklappt und ich gebe der Besetzung nach und schließe auf. Bitte, ob sie mir noch kurz Zeit lassen könnten um die Bänke auszuklappen – geht in Ordnung sofern sie schon reindürften. Na klar. Es ist 7:55h.

 

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Im leeren Café scheint der einzig passende Platz wohl der zu sein, auf dem noch die Kissen für draußen übernachten. In Windeseile trage ich diese also raus, beende den Aufbau, um mich dann hinter die Theke zu machen und die Damen nach ihren Wünschen zu fragen. “Haben Sie auch Müsli oder Obstsalat?” ist die erste Frage. “Leider nicht, aber Sie können gern in unserer Theke nach etwas anderem schauen,” antworte ich, schließlich hatte ich vor einem Moment erst alles liebevoll vorbereitet. Vor dem Tresen herrscht daraufhin skeptische Ratlosigkeit. Die Blicke wandern über Brownies, Karottenkuchen, Laugenbrötchen, Schwarzbrot, japanische Reisbällchen, Veganes, Vegetarisches… Plötzlich schauen mich hoffnungsvolle Augen an. “Kann ich dieses Croissant mit Marmelade dazu haben?” Natürlich gern. “Was kostet das dann”, fragt die Kundin. “2,00 € macht das.” “Gut, dann nehme ich dieses Croissant mit Marmelade und ein heißes, kostenloses Glas Leitungswasser.” Ich verweise auf unser abgefülltes Leitungswasser neben dem Kühlschrank, wo auch kleine Gläser für Espresso-Trinker stehen. “Nein,” verdeutlicht die Kundin, “ich hätte gern ein großes, kostenloses, heißes Glas Leitungswasser, aus ihrer Maschine dort.” Mit Nachdruck zeigt sie dabei auf unsere Siebträgermaschine und setzt hinterher “was denn 

daran so schwer zu verstehen sei?” Es ist nun an mir, skeptisch zu schauen, während ich erläutere, es habe schon Kunden gegeben, die sich ein heißes Glas Leitungswasser bestellen, um ihren eigens mitgebrachten Teebeutel darin zu versenken. Während mir die Kundin versichert, sie mache das nicht, aber vertrage kein kaltes Leitungswasser, fülle ich bereits ein großes Glas mit heißem Wasser. Die andere Kundin nimmt einen Cappuccino. Zwei Stunden später steht das nächste heiße Wasser an. Vier Stunden später verlassen die beiden nach einem Croissant mit Marmelade, einem Cappuccino und zwei großen Gläsern Wasser für insgesamt 4,20 € das Café und geben kein Trinkgeld.

 

In ihrer Lust nach Leitungswasser für umme sind die beiden nicht allein. In Berlin hat die Karaffe mittlerweile Selters zum Getränk oder Essen abgelöst. Es hat sich rumgesprochen, dass in Deutschland die Qualität des Wassers aus dem Hahn vielerorts besser ist als die Konkurrenz aus der Flasche. Mineralwasser wird anders als noch vor einigen Jahren kaum mehr bestellt. Eher nimmt der Gast sich die abgefüllte Karaffe gleich mit an den Tisch. In Teilen Bayerns erheben die Wirte dafür zum Essen eine Pauschale von 2 – 5 €. Auch in Berlin habe ich schon Läden erlebt in denen es Leitungswasser nur auf explizite Nachfrage oder gegen Bezahlung gibt. Dit macht natürlich keen Berliner mit und das wäre auch verfehlt. In Frankreich und südlicheren Ländern gehört eine Karaffe Wasser zum Essen sowieso dazu, aber ebenso die Flasche/n Wein, die das Mahl begleiten. Und es ist eben diese Begleitung, die in der Kasse die Musik macht.

 

Selbstverständlich werden wir im Cutie Pie nach wie vor Leitungswasser zur freien Verfügung stellen und dies von Herzen. Was ich aber oben nicht gesagt habe ist, dass es hier nicht nur um Wasser geht. Stattdessen erbringen wir in einem Café zuerst eine Service-Leistung für euch. Klar kann zu dieser auch Wasser gehören, als eine Beigabe zum Essen und/oder Getränken. Bestellt man nichts zu Essen, kann man sich beispielsweise nicht ins Restaurant setzen und einfach nur Leitungswasser for free trinken. Im Café wird es spätestens beim eigenen Teebeutel schwierig, schließlich steht dieser in direkter Konkurrenz zu unserer Bio-Teeauswahl von Gschwender, die es nur für Gastro gibt. Ladet uns gerne zu einem heißen Tee bei euch ein. Wir werden auch gern mal verwöhnt.

Zudem ist das Wasser gar nicht ganz so kostenlos, wie man erstmal annimmt. Natürlich ist für sich gesehen ein Glas kühles oder warmes Nass kaum in Geldwert zu bemessen. Doch gehört allerhand drum herum dazu, denn wir bestreiten mit unseren Einnahmen Miete, Strom, natürlich auch Wasser und schließlich unser Leben. Also, wenn ihr mal sehr durstig seid, trinkt nicht gleich drei Gläser Leitungswasser, sondern kauft euch mal ne Flasche. Wir wechseln unser Angebot im Kühlschrank oft und haben Wasser mit wohltätigem Mehrwert, Bio-Limonade aus Berlin und Saft.

Und für die, die beste Absichten haben – von wegen mehr trinken – macht es euch doch zur Gewohnheit, euer Glas über den Durst zu leeren. Dann müssen wir nicht mit jedem Dritten die Botanik beglücken und ihr lebt gleich gesünder.

Zu guter Letzt ist so ein Wasser, kostenlos oder nicht, unschätzbar und eine Chance uns daran zu erinnern, wie gut wir es haben, denn in anderen Teilen der Welt ist reines Wasser keine Selbstverständlichkeit und Gold wert. Genießen wir es!

 

In diesem Sinne Prost und Zisch,

Eure Frauke #cutie_pie_berlin 06/2017

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